| |
Irgendwie sieht die Sache geradezu verdächtig nach einem
Patentrezept aus: Ein Unternehmer denkt an die Errichtung einer neuen Lagerhalle oder eines Verkaufslokals. Um Planung und
Bauausführung braucht er sich nicht zu kümmern, und auch die Finanzierung bereitet ihm kein Kopfzerbrechen. Ähnlich funktioniert
das für Privatpersonen - zum Beispiel bei einem Autokauf. Keine Kreditverhandlungen mit einer Bank, keine mühsamen Sicherstellungen
- sondern ganz einfach ein Leasingvertrag. Ob Immobilien, Autos oder Maschinen, Leasing
lockt in allen Lebenslagen. Dementsprechend entwickelt sich das Geschäft. Vor wenigen
Wochen durfte der Verband Österreichischer Leasinggesellschaften (VÖL) stolz die Bilanz für
das Jahr 2000 präsentieren. Von Krise war da keine Rede: Der Leasingbestand aller Mitglieder
kletterte um satte elf Prozent auf rund 186 Milliarden Schilling. |
|
Doch in jüngerer Zeit hat das Image der
Branche einige Schrammen abbekommen, und dafür sorgte niemand Geringerer als -
ausgerechnet - der Justizminister. Ein "Körberlgeld in Milliardenhöhe" und ein
"erschütterndes Untersuchungsergebnis" nach einer Überprüfung von Kfz-Leasingverträgen
habe man festgestellt. Er erwäge jetzt sogar eine Verbandsklage, ließ der Rechtsanwalt
Dieter Böhmdorfer die geschockte Leasingbranche wissen.
"Das Bild, das da in
der Öffentlichkeit dargestellt wurde, ist stark überzeichnet", kontert Friedrich Primetzhofer,
Sprecher des VÖL. Von Milliardenbeträgen könne keine Rede sein, das habe man auch
schon im Justizministerium eingesehen, und es gebe zahlreiche Gesellschaften, die ihre
Verträge völlig korrekt abrechnen. |
|